Warum eigentlich f/3?


Beim Beobachten spielt die Einblickhöhe eine wichtige Rolle. Gerade bei Teleskopen mit viel Öffnung kommt es oft vor, dass bei Beobachtungen im Zenit eine Leiter oder ein kleiner Tritt verwendet werden müssen, um mit dem Auge das Okular zu erreichen.

In der Dunkelheit auf einer Wiese ist das sicherlich nicht jedermanns Sache. Viele Sternfreunde stehen lieber mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Man hat einen sicheren Stand, es kippelt nichts und die Beobachtung ist deutlich komfortabler. Man kann sich voll auf das Objekt im Okular konzentrieren.

Doch wie passen eine niedrige Einblickhöhe und ein 20" Dobson zusammen? Ganz einfach: indem man den Hauptspiegel möglichst kurzbrennweitig macht.

Ich habe mich für ein Öffnungsverhältnis von ~f/3.2 entschieden. Das ist für mich als jemand, der alle in seinen Teleskopen verbauten Hauptspiegel selbst schleift, noch sehr gut zu handhaben, so dass die Qualität der Optik auch weiterhin keine Wünsche offen lässt. Zum anderen erzielt man mit einem ParaCorr und der Verwendung von hochwertigen Okularen (Nagler, Ethos...) bis zum Gesichtsfeldrand punktscharfe Sternabbildungen. Man muss also keine Angst haben, dass die Sterne am Rand wie Kometenschweife aussehen. Planeten werden genauso scharf abgebildet wie beispielsweise in einem f/5 Dobson. Jeder Hauptspiegel wird mit einem interferometrischen Prüfprotokoll ausgeliefert, so dass keine Fragen in Sachen optische Qualität offen bleiben.

Es soll an dieser Stelle allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass günstige Okulare bei einem solchen Teleskop nicht mehr funktionieren - auch nicht in Verbindung mit dem ParaCorr.

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird, betrifft das Thema Justage. Nach sehr vielen Beobachtungsnächten mit diesem Teleskop kann ich alle beruhigen: die Justage ist nicht schwieriger oder langwieriger als bei einem f/4.5 Dobson. Wer einen f/4.5 justiert bekommt, bekommt auch problemlos einen f/3.2 justiert.

Aufgrund der kurzen Brennweite ist der Lichtkegel an der Position des Fangspiegels natürlich breiter als bei einem langbrennweitigen Dobson. Deswegen muss hier ein größerer Fangspiegel gewählt werden, damit es zu keiner Vignettierung des Bildfeldes kommt. Eine Größe von 120mm ist absolut ausreichend. Bei einem Hauptspiegeldurchmesser von 500mm ergibt sich damit eine lineare Obstruktion von 24%, was visuell immer noch ein guter Wert ist - vor allem, wenn man das in Relation zur großen Öffnung setzt.

Die Fangspiegel werden aus den USA importiert und kommen ebenfalls mit einem interferometrischen Prüfprotokoll.

Noch ein paar Worte zur Mechanik:

Im Gegensatz zur Modellserie "Infinity+" habe ich ebenfalls neue Wege beschritten. Die Aluminium- Rahmen von Spiegelzelle und Rockerbox werden komplett geschweißt und mattschwarz pulverbeschichtet. Damit ergibt sich eine ideale Kombination von geringem Gewicht und hoher Steifigkeit. Die Stangenhalterungen sind aus schwarz eloxiertem Aluminium und werden aus dem vollen gefräst. Es ist alles etwas "wuchtiger" gehalten, um dem extrem kurzen Öffnungsverhältnis Rechnung zu tragen.

Bei der Mechanik kommen allerdings nicht nur hochfestes Multiplex und leichtes Aluminium zum Einsatz, sondern auch Karbon. Die Gitterrohrstangen sind aus 20mm starken Karbonrohren mit einer Wandstärke von 1.5mm gefertigt. Auch die Verbinder der beiden Hutringe und das Auflagebrettchen für Okularauszug und Sucher sind aus Karbon.

Das Gewicht des Teleskops liegt bei rund 40kg. Das ist sicherlich sehr leicht, aber nicht die untere Grenze des Möglichen. Ich habe mich dafür entschieden, dass mir die Funktion wichtiger ist, als das ein oder andere Kilogramm an Gewichtsersparnis. So lege ich zum Beispiel großen Wert auf eine hohe Steifigkeit, ein kurzes Ausschwingen und darauf, dass die Justage beim Schwenken des Teleskops erhalten bleibt.

Der Auf- und Abbbau ist natürlich wie bei all meinen Teleskopen in Windeseile erledigt. In weniger als 10 Minuten steht das Teleskop und ist nach der Beobachtungsnacht auch genauso schnell wieder im Auto verschwunden.

Meine eigenen Erwartungen hat das Vorserienmodell der neuen Serie mehr als erfüllt und ich habe bisher mit noch keinem anderen Teleskop so viel Spaß am Himmel gehabt wie mit diesem 20" f/3.2.