Die Bildqualität bei einem Öffnungsverhältnis von f/3.2




Das Öffnungsverhältnis von Dobson- Teleskopen ist im Laufe der Jahrzehnte immer schneller geworden. Um 1960 herum galt f/8 noch als schnell. Das lag hauptsächlich daran, dass die zu dieser Zeit verfügbaren Okulare noch sehr einfach aufgebaut waren und mit einem schnellen Öffungsverhältnis nicht zurecht gekommen sind. Das Beobachtungsobjekt war nur in der Bildfeldmitte scharf. Je weiter man aber an den Rand des Okulargesichtsfelds gekommen ist, umso stärker zeigte sich an Sternen die sogenannte Koma. Sterne erscheinen dann nicht mehr punktförmig, sondern sehen aus wie kleine Kometen mit einem Schweifansatz.

Doch gerade in den letzten 20 Jahren hat sich in Sachen Okulardesign sehr viel getan. Ein weiterer Sprung in Richtung einer noch kürzeren Brennweite erfolgte mit der Einführung von Komakorrektoren. Diese Entwicklung hat den Grundstein gelegt, sehr schnelle f/- Werte in der Praxis nutzen zu können.

Die Beobachtungspraxis mit f/3.2


Man liest ja im Internet so einiges über schnelle Öffnungsverhältnisse und leider auch oftmals viel Falsches. Deshalb soll an dieser Stelle ein wenig aus zwei Jahren Beobachtungspraxis mit einem 50cm f/3.2 Dobson berichtet werden.

Ein Mythos ist, dass ein f/3 Teleskop viel schwieriger zu justieren sei, als eines mit einem Öffnungsverhältnis von f/5. Natürlich ist es so, dass an die Justage höhere Anforderungen gestellt werden. Das bedeutet aber nicht, dass die Justage schwieriger ist. Ein f/3 Dobson lässt sich am Polarstern bei Vergrößerungen von 300x genauso einfach justieren wie ein f/5 Dobson. Man muss lediglich ein wenig genauer darauf achten, dass der Fangspiegelschatten exakt in der Mitte des Beugungscheibchens ist. Das ist auch schon alles und verlängert den Zeitaufwand ein klein wenig. Aus den Erfahrungen mit der "Horizon"- Serie lässt sich sagen, dass der Hauptspiegel vor einer Beobachtungsnacht nur sehr geringfügig nachgestellt werden muss und die Hauptspiegeljustage in weniger als einer Minute erledigt ist.

Ein anderer Mythos, der sich sehr hartnäckig hält, ist, dass ein sehr kurzbrennweitiges Teleskop nicht für Planeten- ,Mond- oder andere Detailbeobachtungen geeignet ist. Das stimmt ebenfalls nicht. Wichtig ist, dass das Teleskop eine gute Optik besitzt und dass man hochwertige Okulare in Verbindung mit dem dazu passenden Komakorrektor benutzt. Und ja, das Teleskop muss sorgfältig am Stern justiert sein. Wenn all das gegeben ist, können auch mit einem f/3 Dobson spektakuläre Beobachtungen an Mond und Planeten gemacht werden. So war es unter anderem ein Leichtes, den Kleinplaneten Ceres mit dem 20 Zoll f/3.2 "Horizon" als winziges Scheibchen zu sehen - und das bei einem scheinbaren Durchmesser von nur 0.87" (Bogensekunden).

Wie schaut es denn mit der Verwendung von günstigen Okularen aus? Hier muss man tatsächlich sagen, dass günstige Okulare (selbst in Verbindung mit dem ParaCorr von Televue) nicht funktionieren. Hochwertige Okularserien wie z.B. Nagler oder Ethos harmonieren dagegen hervorragend mit einem f/3 Dobson. So werden die Sterne in den innersten 90% des Gesichtsfelds punktförmig abgebildet, noch weiter draußen am Gesichtsfeldrand sieht man dann die ersten zarten Andeutungen von Koma. Wie das im Okular aussieht, kann man sich in nebenstehender Abbildung genauer anschauen. Die Bildschärfe ist also nahezu im gesamten Gesichtsfeld sehr hoch und ermöglicht damit einen überaus ästhetischen Anblick des Sternenhimmels.


Das Fazit


Alles in allem lässt sich also sagen, dass ein f/3 Dobson zwar höhere Anforderungen an die Justage und die verwendeten Okulare stellt, aber mit ein klein wenig Übung genauso einfach zu handhaben ist wie ein langbrennweitiges Teleskop und sich auch in Sachen Bildschärfe und Ästethik absolut nicht zu verstecken braucht.