Die Mechanik der 20" + 25" "Horizon" Dobson- Modelle




An die Teleskopmechanik werden bei einem Öffnungsverhältnis von f/3.2 große Anforderungen gestellt, so dass die Modellserie "Horizon" von Grund auf neu entwickelt werden musste.

Einer der allerwichtigsten Punkte bei der Entwicklung und Konzeption dieser neuartigen Teleskop- Reihe war, dass sich ein Dobson- Teleskop dieser Öffnungsklasse (und noch dazu gepaart mit einem derart schnellen Öffnungsverhältnis) genauso einfach und intuitiv benutzen lassen sollte, wie ein vergleichbares Gerät mit einer deutlich längeren Brennweite.

Nach einer mittlerweile mehr als 2-jährigen Erprobungsphase lässt sich festhalten, dass dieses Ziel definitiv erreicht worden ist und sich die unzähligen Stunden an Entwicklungsarbeit und Prototypenbau ausgezahlt haben:

Am Beobachtungsplatz angekommen ist das Teleskop selbst bei Dunkelheit dank seines schlichten Designs in weniger als 10 Minuten aufgebaut. Da der Fangspiegel im Normalfall am Hut verbleibt, muss nach einer etwa 20 minütigen Auskühlphase nur noch schnell der Hauptspiegel am Polarstern justiert werden. Aufgrund der besonderen Stangenanordnung müssen die beiden großen Sterngriffmuttern in der Regel lediglich um eine viertel bis halbe Umdrehung bewegt werden. Ab und an (wenn auch selten) kommt es sogar vor, dass man den Hauptspiegel überhaupt nicht neu justieren muss, weil die Justage noch von der letzten Beobachtungsnacht passt. Für ein f/3 Gitterrohr- Dobson ist das durchaus bemerkenswert. Die Justage muss während der Nacht auch nicht nachkorrigiert werden. Das Einsetzen und Einstellen des ParaCorr gelingt ebenfalls problemlos, so dass man schon nach kurzer Zeit mit der Beobachtungsnacht beginnen kann.

Auf eine extreme Leichtbauweise wurde zugunsten einer höheren Steifigkeit und eines verbesserten Ausschwingverhaltens verzichtet. Deswegen fallen einige Elemente (wie zum Beispiel die unteren Stangenhalterungen oder die Querstrebe zwischen den Höhenrädern) recht massiv aus. Leichte und sehr stabile Karbonrohre, zusätzliche Verstrebungen und geschweißte Aluminiumrahmen tragen ebenfalls zur Gesamt-steifigkeit bei.

Trotzdem gehören sowohl das 20" f/3 als auch das 25" f/3 mit einem Gesamtgewicht von 40 bzw. 63 Kilogramm in die Kategorie der Leichtbau- Teleskope und lassen sich daher problemlos von einer Person auf- und wieder abbauen.

1) Der Hut


Der Hut der Modellserie "Horizon" besteht aus zwei mattschwarz beschichteten Aluminium- Rahmen in Form eines Oktagons, die über insgesamt sechs kurze Karbonstangen sowie eine hochwertige, gefräste und nur fünf Millimeter starke Karbonplatte miteinander verbunden sind. Um die Spinne mitsamt der Fangspiegelhalterung möglichst drehstabil anbringen zu können, wurden am oberen Hutring vier weitere Profile befestigt.

Die Spinne selbst ist bis zu 60mm breit und exzentrisch im oberen der beiden Hutringe verspannt. Über zwei Sterngriffschrauben wird die massive Fangspiegelhalterung am Mittelteil der Spinne angebracht. Der Fangspiegel muss also selbst nach einem erfolgten Ausbau nicht wieder neu justiert werden. Um ein Beschlagen des Sekundärspiegels in einer feuchten Nacht zu verhindern, ist eine ausreichend dimensionierte Fangspiegelheizung montiert.

Als Okularauszug kommt der vielfach bewährte 2“ Moonlite mit einer 1:8 Untersetzung zum Einsatz, der eine besonders feinfühlige Scharfstellung ermöglicht. Zusätzlich kann fast jeder handelsübliche Sucher montiert sowie optional ein Filterschieber der Firma Spheretec mit drei Filterplätzen angebracht werden. Die windoptimierte Hutblende besteht aus mattschwarzem PE und wird mit Sterngriffmuttern fest mit den Hutringen verbunden.

2) Gitterrohrstangen und zusätzliche Verstrebungen


Damit die Teleskope der Modellserie „Horizon“ besonders verwindungssteif sind, werden die unteren Stangenhalterungen aus Vollmaterial gefräst. Sie geben den insgesamt acht Karbonstangen einen sicheren Halt. Mit einem Durchmesser von 20mm bzw. 24mm sind die Stangen ausreichend steif aber dennoch sehr leicht.

Beim Aufbau des Teleskops werden die insgesamt vier Stangenpaare einfach auf die dafür vorgesehenen Stangenhalterungen geschoben und mit großen, auch bei Kälte leicht zu greifenden M8 Sterngriffmuttern gesichert. Oben am Hut werden die Karbonstangen mit Hilfe von kraftvollen Hebelschrauben geklemmt.

3) Spiegelzelle und Spiegelbox


Die Lagerung eines f/3 Spiegels ist recht anspruchsvoll und verlangt der Spiegelzelle und der Spiegelbox einiges ab – nichts darf sich verwinden oder seine Position verändern.

Deswegen wurde die Spiegelzelle verstärkt, versteift und in einen geschweißten Aluminium- Rahmen eingepasst. Die Primär-Optik ruht je nach Durchmesser auf 18 bzw. 27 Lagerpunkten. Lateral wird der Hauptspiegel in der Schwerpunktslinie von mehreren Kugellagern unterstützt. Die Justage erfolgt bequem von oben. Der Rahmen der Spiegelzelle ist sehr flach und selbst in der 25 Zoll Variante inklusive der oberen Abdeckplatte und der vier Stellfüße nur 14 Zentimeter hoch.

Zum schnellen Auskühlen des Hauptspiegels sind auf der Oberseite der Abdeckplatte vier Lüfter eingelassen, die leise surrend aber dennoch kraftvoll den Hauptspiegel schnell auf die Umgebungstemperatur herunterkühlen. So ist auch der 25“ Spiegel nach nur einer halben Stunde bereit für hohe Vergrößerungen.

Um den Hauptspiegel bei Nichtbenutzung vor Staub zu schützen, können die Eintritts-öffnungen der Lüfter mit einer schwarzen Acrylglas- Platte verschlossen werden (aus Darstellungsgründen nicht in der Grafik zu sehen).

Falls der Hauptspiegel einmal gereinigt werden muss oder man ihn zum Transport in die optional erhältliche Transportbox legen möchte, kann die gesamte obere Abdeckplatte werkzeuglos abgenommen werden. Der Hauptspiegel liegt dann komplett frei und ist leicht zugänglich.

4) Rockerbox


Das Grundgerüst der Rockerbox besteht ebenfalls aus miteinander verschweißten Aluminiumprofilen, die mit einer langlebigen, mattschwarzen Pulverbeschichtung versehen sind. Die Ecken sind innenliegend mit vier weiteren Profilen ausgesteift.

Unter dem Grundgerüst ist die Lauffläche aus Holz angebracht. Wie auch die Höhenräder läuft die Rockerbox auf der vielfach bewährten Teflon/ Ebony- Paarung, die ein sehr geringes Losbrechmoment ermöglicht. Das Nachführen des Teleskops von Hand erfolgt damit besonders weich und feinfühlig.

In der Mitte der Rockerbox befindet sich eine Aluminium- Platte, die für die Montage von digitalen Teilkreisen (BDSC) vorbereitet ist. Auf der Platte werden der Azimut- Encoder und die Steuerungsplatine mit dem BlueTooth Modul montiert, so dass die Teilkreise drahtlos mit dem Smartphone oder Tablet kommunizieren können. Genügend Platz für die Stromversorgung in Form einer Halterung für 6 Mignon- Batterien/Akkus ist ebenfalls vorhanden.